Musterküchen frankfurt main

Soziologische Aspekte der “Arbeitsküche” wurden erst viel später, in den 1970er und 80er Jahren, kritisiert, als feministische Kritik feststellte, dass die emanzipatorischen Absichten, die zum Teil die Entwicklung der Arbeitsküche motiviert hatten, tatsächlich nach hinten losgegangen waren: Gerade wegen der spezialisierten Rationalisierung und der geringen Größe dieser Küchen, dass nur eine Person bequem arbeiten konnte, neigten Hausfrauen dazu, vom Leben im Rest des Hauses isoliert zu werden. Was als emanzipatorischer Versuch begonnen hatte (obwohl alle Befürworter wie Beecher, Friedrich oder Meyer immer implizit davon ausgegangen waren, dass die Küche die Domäne der Frau sei), die Arbeit im Haus zu professionalisieren und aufzuwerten, wurde nun als Einweisung der Frau in die Küche angesehen. [Zitat erforderlich] Diese Störung erklärt zum Teil, warum Schütte-Lihotzky selbst trotz der nachhaltigen Wirkung ihrer Ideen nicht besser bekannt ist. Amerikanische und schwedische Forscher und Designer ließen sich in den 1920er Jahren von der Frankfurter Küche inspirieren, aber ihre Entwürfe für ideale, massenhafte Küchen wurden als “Schwedische Küche” bekannt – ein Begriff, der den Bürgern der alliierten Nationen wohl viel schmackhafter war als “Frankfurt” vor dem Hintergrund der beiden Weltkriege. Teilweise wurden Schütte-Lihotzkys Ideen in den internationalen Küchenzeitgeist aufgenommen, ohne direkt gutgeschrieben zu werden. [Neuere] Küchen wurden entweder lange nach dem Bau der Wohnung hinzugefügt oder ursprünglich für mehrere Zwecke gebaut (z. B. als Dreifachaufgabe als Küche, Badebereich und Schlafzimmer). Das Ergebnis ist ein Sammelsurium von Kücheneinrichtungen, die von beengt bis unerhört dysfunktional reichen.

Neben der eigentlichen Küche, die im Museum ausgestellt ist, können die Besucher eine audiovisuelle Installation anhand historischer Fotos und Filme, ein Interview mit der designgebenden Architektin Margarete Schütte-Lihotzky aus dem Jahr 1985 und die Erkenntnisse zweier Forscher, die jahrelang die Frankfurter Küche studiert haben, begutachten. Astrid Debus-Steinberg von der Stuttgarter Gesellschaft für Kunst und Denkmalpflege hat seit Ende der 1980er Jahre viele Frankfurter Küchen erhalten, gesammelt und systematisch recherchiert. Der Kulturhistoriker Dr. Joachim Krausse drehte zusammen mit dem Architekturtheoretiker Jonas Geist in den 1980er Jahren einen Dokumentarfilm als archäologische Studie über die Diskrepanzen zwischen der Idee und der Realität des Neuen Frankfurts. Die Frankfurter Küche im Museum Angewandte Kunst ist in einem außergewöhnlich guten Erhaltungszustand. Das zeigen die komplett erhaltenen Küchenmodule, die in der Regel das Einzige sind, was aus einer Frankfurter Küche entfernt wird. Diese besondere Küche war ein echter Glücksfall für das Museum, da sie seit ihrer Installation nur von einer einzigen Familie genutzt wurde und im Laufe der Jahre nicht ersetzt wurde, wie es normalerweise bei Mieterwechseln der Fall ist. Aufgrund der Tatsache, dass die Küche während ihrer langen Nutzung sehr gut gepflegt war, ist der Waschbecken-Basisschrank vollständig erhalten. Dies ist auch sehr selten, weil dieser Teil oft das erste ist, was zerfällt. Beeindruckt von der funktionalen Klarheit, die sie bei diesen Projekten bei Wohnungsproblemen und Küchengestaltung anwandte, lud Ernst May sie 1926 in seine Frankfurter Abteilung ein.